„365 tage (buch)“ erschienen:

365 tage buch-umschlag2

Thomas Schafferer: 365 tage (buch)

(ISBN Nr. 3-900888-41-8), Verlag TAK (Tiroler Autorinnen und Autoren Kooperative), Mai 2005: Innsbruck, 208 Seiten

1. TEXTPROBE:

20.05.
das ende der liebesgedichte

es muss schluss sein mit gedichten über die liebe
muss ein ende haben über das schöne zu schreiben
abgedruckt, für jeden lesbar, für jeden blicke
einblicke eröffnend in das was menschen verbindet
es wird das ende der liebesgedichte sein und kein
satz, kein wort, nichts wird davon berichten,
erzählen was ist, alles wird nur für sich sein und
dadurch erst leben, das ende der gedichte der liebe
ist gut, wenn kein wort mehr von liebe geschrieben
sein wird, wird es vergessen machen wie schön
liebe sein könnte

(Dieser hier wiedergegebene Text ist urheberrechtlich geschützt und darf ohne ausdrückliche Erlaubnis in keiner Form wiedergegeben oder zitiert werden.)


2. GRUNDINFORMATION:

Warm- und offenherzig, still zuweilen und oft sehr nachdenklich präsentiert sich der Lyrikband „365 tage (buch)“, der für jeden Tag eines Jahres ein Gedicht zu bieten hat und somit 365 Texte umfasst. Thomas Schafferer – Chefredakteur des poppigen Tiroler Literaturmagazins Cognac & Biskotten – präsentiert sich hier als talentierter, lyrischer Schriftsteller und feinfühliger Poet, der über sich und die Menschen nachdenkt.

Eine höchst subjektive Welt eröffnet sich in diesem Debütwerk des 1. Arthur-Haidl-Preisträgers für Jugend und Kultur der Stadt Innsbruck (2004), doch erlangt in seiner Gesamtheit Bedeutung und Allgemeingültigkeit für jeden Menschen. Der Grund liegt darin, dass die Texte sich überwiegend um die Themen, die jeden betreffen – das Leben, den Tod und vor allem die Liebe und die unterschiedlichsten Ausprägungen davon – drehen.

Dieser zeitlose, sehr poetische Gedichtband ist einerseits wie ein lyrischer Roman lesbar, denn die Texte verstricken sich zu einem Gesamtbild bzw. zu einer komplexen Aussage über das Leben schlechthin. Andererseits ist das knapp 210 Seiten dicke Buch, auf das Datum des jeweiligen Gedichtes hin bezogen genießbar, indem man sich spezielle Tage herauspickt. Für Menschen, die am 29. Februar geboren wurden, gibt es zusätzlich als kleinen Bonus einen 366sten lyrischen Text, der sich mit jenem seltsamen, alle vier Jahre wiederkehrenden Tag beschäftigt.

„365 tage (buch)“ ist ein neuartiger, tiefgründiger, aber unspektakulärer Lyrikband für die stillen, tiefgründigen Momente im Laufe eines Jahres.

Verlegt und herausgegeben wird das Buch im Verlag TAK - Tiroler Autorinnen und Autoren Kooperative, und ist (um € 14.- im Buchhandel erhältlich oder) um € 17.- (inkl. Versand) direkt zu bestellen unter

agentur@cobi.at


3. KLAPPENTEXT DES LYRIKBANDES:

Lyrik lässt uns oft alleine und ratlos zurück, hinterlässt Leerstellen im Gegensatz zu einem Roman, der uns an der Hand durch eine Handlung führt. Mit seinem lyrischen Tagebuch „365 tage (buch)“ ist es Thomas Schafferer gelungen, eine Balance zwischen den Leerstellen des Gedichtes und der Führung des Romans zu finden. So weist sein Lyrikband romanhafte Züge auf, wenn der Autor mit ausdrucksstarker Sprache das lyrische Ich Tag für Tag über Geliebtes und Erlebtes reflektieren lässt. Auf diese Weise lernt der Leser das lyrische Ich als sympathische Figur kennen, die sich von jener hohen Macht leiten lässt, von der wir alle schon einmal überwältigt, enttäuscht oder verletzt worden sind. Es ist die Liebe, die das lyrische Ich fast keinen Tag ruhen lässt und es auffordert zu kämpfen oder veranlasst aufzuschreien. Dies alles versteht Thomas Schafferer mit Einfühlungsvermögen in wunderschöne Sprachspiele und fragmentarische Sätze zu verpacken. „365 tage (buch)“ ist ein feinfühliger, warmherziger Lyrikband und zugleich ein komplexes Debütwerk des jungen Tiroler Autors Thomas Schafferer.

Gabriele Wild (TAK)



4. KONZEPT:


Das Projekt „365 tage – Ein Tagebuch in Lyrik, Malerei und Video“

Das von Thomas Schafferer konzipierte und im Jahr 1999 realisierte dreigeteilte künstlerische Tagebuch-Projekt „365 tage“ setzt sich mit dem Genre Tagebuch auseinander, indem ein Jahr hindurch Tag für Tag je ein Bild, eine Videosequenz und ein Gedicht entstehen. Durch diesen täglichen Einsatz der drei künstlerische Ausdrucksformen - Lyrik, Malerei und Video - entfernt sich Schafferer einerseits vom „reinen“ Tagebuchschreiben und entwickelt daraus andererseits eine komplexe, dicht gewobene Collage an Eindrücken, Begebenheiten und Gedanken. Er lädt die LeserInnen und BetrachterInnen ein, anhand seines künstlerischen und natürlich höchst subjektiven Tagebuchs, über das Leben, über Erinnerungen und die Tage eines Jahres nachzudenken. Das kompakte, geballte Werk „365 tage“ wurde bereits zweimal in Tirol präsentiert (2002: Steinach am Brenner, Hotel Rose und 2003: Innsbruck, Französisches Kulturinstitut), jedoch liegt der literarische Teil dieses Tagebuchprojektes nun erstmals in gedruckter Form anhand dieses Buches vor, das zugleich den zwölften Gedichtband Thomas Schafferers seit 1992, aber auch sein literarisches Debüt in einem Verlag verkörpert.

Viermal wird mein erstes Buch "365 tage (buch)" im Radio vorgestellt:

Sonntag, 26.06.2005 - 15.50 - Ö2-Radio Tirol

Mittwoch, 29.06.2005 - 17.15 - Ö2-Radio Tirol

Dienstag, 05.07.2005 - 13.00 - Radio Freirad

Dienstag, 19.07.2005 - 13.00 - Radio Freirad


5. REZENSIONEN:


a) Rezension von Helmuth Schönauer:

Was passiert, wenn Zeitfluss und Zeitpunkt zusammenkommen? Wahrscheinlich etwas Ähnliches wie in einem Bachbett, in dem täglich neu entschieden wird, ob für diesen Tag Stein oder Wasser den Ton angeben.

Thomas Schafferer hat aus den Elementen Tagebuch im Zeitfluss und Lyrik als poetisierten Zeitpunkt einen Jahresband aufgezeichnet, der in etwa das Jahr 1999 beschreibt, wie es für ein lyrisches Ich abgelaufen sein könnte. Überhaupt ist dieses Tagebuch Teil eines konsequenten Projektes, ein Jahr lang ist der Autor mit Videokamera, Malutensilien und Tastatur den Ablauf der Zeit durchgegangen und hat ein Dokument in den Gattungen Videokunst, Malerei und Lyrik erstellt.

Das Buch ist vielleicht das kompakteste der drei Medien, aber auch im Gedichtband drängen die Tage einzeln einem unbestimmten Ausgang zu und lassen sich nur schwer zähmen. Vorerst geschieht das einmal streng dokumentarisch, jedes Gedicht hat einen Titel, einen Entstehungs- oder Handlungstag und einen Ort, an dem es realisiert worden ist. Die meisten Texte sind in Heimarbeit in Pfons am Römerweg entstanden. Aber auch der Innsbrucker Hauptbahnhof, diverse Häfen oder Cafes im Mittelmeerraum, ja sogar der GEIWI-Hörsaal auf der Innsbrucker Universität können zu kreativen Anfeuerungsplätzen für Gedichte werden. Der 29. Februar war 1999 nicht vorgesehen, daher gibt es diesen Tag als Bonus, wie man ja oft auf einer CD einen Bonus-Track lukriert oder in der Malerei einen extra feisten Himmel ausfasst.

Die Texte laufen ineinander über wie die Tage, sie haben manchmal etwas miteinander zu tun, manchmal übernehmen Vater und Mutter wie in Kindergebeten die Schirmherrschaft. Dann gibt es vielleicht eine Liebessträhne, an der das lyrische Ich unbarmherzig irgendwo hin gezogen wird, oft sind es Situationen, die durch hartnäckiges Beobachten einen lyrischen Drall kriegen, ehe sie wieder im Alltag versickern.

Probe 17, heißt es am 24.6. "jede nacht trinke ich whisky, eine frau ist siebzehn / eine andere vierundzwanzig, sie beide kämpfen / um mich, wollen mich, doch nur ich siege am ende / einer nacht [...]" (85)

"der tag bringt scheinbar nichts / der tag ist scheinbar winter und worte / scheinbar nutzlos [...]" (144) beginnt die Eintragung für den 6.10.

Und quasi resümierend für das ganze Projekt heißt es für den 26.12.: "es bleibt nichts mehr zu sagen / nichts mehr zu erzählen, zwar / noch nicht alles getan was zu / tun ist, doch es werden wieder / tage kommen an denen zeit / dafür sein wird / spare meine / worte, spare meine energien / gebe nicht alles was zu geben / ist wenn zeit nur ein begriff" (194)

Thomas Schafferer hat nicht nur ein kompaktes Tagebuch voller Gedichte geschrieben, sondern auch gezeigt, wie man Ordnung in dieses Ding namens Leben bringen könnte. Das Unsagbare bleibt ausgespart, aber es wird auf eine Tagesfläche gesetzt und erhält so eine erste Struktur. Die Tage kriegen Namen, Sätze, letztlich etwas wie ein Label, was bekanntlich Vertrautheit und Heimweg schafft. So könnte man die Zeit mit den Erlebnissen in Berührung bringen, einzigartig und doch so offen, dass es wie ein öffentlich gelebtes Jahr aussieht.

TIROLER GEGENWARTSLITERATUR 832
Helmuth Schönauer 31/05/05


b) Rezension von Otto Licha:

In persönliche Gedichte einzutauchen erfordert zunächst Ruhe. Im Bus zwischen hundert Schulkindern finde ich sie, Sitzplatz vorausgesetzt. Um Liebe geht’s, oder glaubt er’s nur? Da hat einer ein Stück von sich hergegeben, her geschrieben, von seiner Seele gelitten. Und es braucht bisweilen ein paar Jahre, bis dieses Stück seiner selbst zum „lyrischen Ich“ (blödes Wort) geworden ist, dass man es endgültig auslässt, in Buchform freigibt für alle.

Da kann ich kein lyrisches Etwas als Drittperson erkennen, denn der Schreiber hat einen Namen: Thomas Schafferer aus Pfons. Er hält nichts geheim von sich. Er ist verliebt, religiös, und er möchte das Mark des Lebens in sich aufsaugen. Es braucht für mich einige Wochen des Durchbeißens durch die ersten Gedichte. Soll ich mich da überhaupt einmischen in ein fremdes Leben? Doch schließlich habe ich die Ruhe dafür gefunden: wie gesagt, im Bus zwischen den Schulkindern. Und ich tauche so tief in die Texte ein, dass ich nicht einmal mehr höre, wenn mich jemand anspricht. Ich habe mich in den Zeilen selbst gefunden, damals, als ich noch jünger war. Auch bei ihm gibt es Zweifel, ob die große Liebe wirklich eine ist. Alle Gedanken konzentrieren sich darauf. Er liebt Italien so wie ich es liebe, auch er spricht italienisch, nur wird bei ihm durch die Parallelverschiebung der Zeit mein Fabrizio de André, so nehme ich an, durch Lorenzo Jovanotti ersetzt. Er schießt Tore, und es tut gut zu erkennen, dass endlich einmal ein Dichter nicht den Sport hasst, wie es bei den Kulturellen oft „in“ ist.

Die Liebe versiegt im April, und der Kampf um sich selbst beginnt. Stärke zeigen, die schönen Dinge rundherum mit Absicht genießen, wieder zurückfallen in die unsägliche Sehnsucht und Trauer, weil es mit dir so schön war. Hier ist die stärkste Zeit der Gedichte. Man lastet sich Arbeit auf. Der Radiosender verlangt einem fast zu viel Energie ab. Zum ersten und einzigen Mal, irgendwann im August, kommt eine Zeit, in der es Mühe macht, auch das Gedicht für den heutigen Tag noch „zu erledigen“. Nur kurz kommt dieses Gefühl auf, vielleicht liegt’s auch an mir, dem Leser. Vielleicht ist auch meine Energie gerade zu Ende, sodass mir augenblicklich jegliches Lesen schwer fällt. Ich habe auch ein Buch geschrieben mit einem Text für jeden Tag. Ich konnte damals hin und wieder ein paar Tage voraus- oder hinten nachschreiben. Hier aber wird jeder der 365 Tage genau am Schopf gepackt. Manchmal erkennt man den Tag genau, weil ein großes Ereignis, eine Katastrophe etwa, noch in unser aller Gedächtnis steckt.

Entweder schreibt man ein Drehbuch oder ein Tagebuch. Thomas Schafferer hat natürlich ein Tagebuch geschrieben. Vielleicht hat er es aber erst veröffentlicht, als ihm bewusst wurde, dass es auch ein Drehbuch ist. Die Dramaturgie seiner „Liebe“, insbesondere aber jene seiner Arbeit mit diesem Gefühl, macht es dazu. Ich habe mir ein Datum herausgeschrieben, den 20.5., weil mich das Gedicht nicht loslässt. Erst knapp vor dem Ende meines Lesens, schon im Dezember, entdecke ich auf der Rückseite des Buches, dass genau dieses Gedicht als Beispiel herausgegriffen wurde. Gibt es doch so etwas wie Lyrik, die allen am besten gefällt? Das glaube ich ganz einfach nicht. Mir fällt nur noch eines auf: dieses Gedicht wurde am Bahnhof geschrieben, vielleicht in größter Unbequemlichkeit. Oft schreibt Not die tiefsten Gedichte.

Der 5.12. bringt wieder einen Text, der länger in mir arbeitet:

schon gar nicht mehr was

ich weiß schon gar nicht mehr was müdigkeit
bedeutet, wenn nicht zu schlafen zur
selbstverständlichkeit wird, ich weiß schon gar
nicht mehr was lieben bedeutet, nur stumpfes
sinnloses mich begleitet, ich weiß schon gar
nicht mehr was leben bedeutet, wenn ich tag
für tag in einem haus nur sitze, ich weiß schon
gar nicht mehr was schönheit bedeutet, wenn
man sich nicht darum zu kümmern braucht
ich weiß schon gar nicht mehr was spontaneität
bedeutet, wenn alle dinge nur geplant ihrer
erfüllung harren, ich weiß schon gar nicht mehr
was lachen bedeutet, wenn die trostlosigkeit in
meinen sinnen einkehrt und sich breit macht


Kann schon sein, dass manche Dichter ihre Gedichte stärker verdichten. Aber es kommt immer noch darauf an, welche Gefühle Gedichte bei dem auslösen, der sie liest. Thomas Schafferer steht zu dem, was ihn in diesem Jahr des Schreibens ausmachte. Seht her, das war ich damals, auch wenn ich jetzt vielleicht anders bin, gereifter, mag sein, aber das, was ich damals war, bis in jede Einzelheit, das gehört auch heute noch zu mir, das bin auch ich, höre ich ihn in meiner Vorstellung sagen, obwohl ich ihn gar nicht persönlich kenne. Seine Gedichte geben mir das Gefühl, auch in den geheimen Ängsten und Wünschen, die man normalerweise für sich behält, nicht allein zu sein. Danke, Thomas!

Otto Licha, Jänner 2006

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